Die Angst geht um in der Schweiz. Ausländisches Kapital bleibt weiterhin willkommen aber mehr als vier Minarette stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Freiheit dar. Denn damit drohen Zwangsehen, Ehrenmorde, die Einführung der Scharia und der Untergang des eidgenössischen Vaterlandes. Sollte sich jemand diesem souveränen Volksentscheid widersetzen, so wird dieser Volksverräter mit Entlassung, Berufsverbot oder Schlimmeren bedroht. Es verwundert auch nicht weiter, dass neben Juristen gerade auch Kirchenvertreter ins Visier der selbsternannten Verfassungsschützer geraten. Sind diese doch die einzigen, die den interreligösen Dialog nicht scheuen. Ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis in der Schweiz auch Kirchtürme verboten werden.

Angstkampagne - minarette.ch
Solch paranoides Verhalten ist in Deutschland zum Glück noch wenig verbreitet. Der Bau von Minaretten wird durch die lokale Bauordnung und nicht etwa durch die Verfassung geregelt. Verallgemeinernde fremdenfeindliche Aussagen wie die von Thilo Sarrazin zeigen jedoch, dass wir uns auf sehr dünnem Eis bewegen.
Abgesehen von den gescheiterten Versuchen eines Cemaleddin Kaplan, welcher 1994 als selbsternanntes Oberhaupt aller Muslime offen zu Morden aufrief um seinen Kalifatstaat zu etablieren, und den Einzelaktionen geistig verwirrter Djihadisten gab es bislang auch wenig Grund zur Sorge. Aber gegen kriminelle Handlungen, gescheiterte Integrationsversuche und diffuse Ängste helfen natürlich keine Minarettverbote. Helfen täten nur Aufklärung und offene Gespräche. Dies müssten auch die Schweizer wissen.

Friedliche Koexistenz. Minarett in der Nordstadt
Da die islamische Religionsgemeinschaft traditionell in einer Vielzahl von Vereinsgruppen organisiert ist, fehlt häufig die Möglichkeit einen zur Moschee erweiterten Gebetsraum mit schmückenden Kuppeln und Minaretten auszustatten – obwohl der Wunsch dafür sicher da wäre. Damit beschränkt sich die Diskussion jedoch auf Großbauprojekte, bei denen die gleichen Kritierien zu Anwendung kommen die auch für Kirchbauten gelten.
Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft: Minarettdiskussion bei hart-aber-fair
— Edit 02.12.09 —
Ganz so problemlos scheint die interkulturelle Gesellschaft leider doch nicht zu funktionieren: Die Staatsanwaltschaft ließ heute die Räume der als rechtsnational und fundamentalistisch eingestuften Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) durchsuchen. Es soll wohl um Spendenbetrug und die Unterschlagung von Pflichtbeiträgen in die Sozialversicherung gehen. Die IGMG weisst alle Vorwürfe als unbegründet zurück, lehnt aber gleichzeitig eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft ab. Statt Kooperation nun also wüste Beschimpfungen. Wer vehement Verfassungsrechte einfordert, sollte sich zumindest an die geltenden Spielregeln halten, sonst macht er sich unglaubwürdig.
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